Die reizvollen Keramiken, Rauminstallationen und vielgestaltigen Objekte des Künstlers täuschen auf den ersten Blick eine Nähe zur angewandten Kunst und zu geschmackvollem Design vor. Doch Heinrich Weid nimmt die konventionellen Gegenstände häuslicher Behaglichkeit als hohle Formeln, als
leere Gefäße, die er mit neuen Ideen und Ansprüchen füllt.
Wer genauer hinschaut, erkennt in Weids motivischer Kombinatorik die sanfte Sabotage jeglicher Konvention. In der Camouflage eines Sessels oder einer Vase dringt wildes Denken ins traute Heim ein. Weid bejaht auf nervenstarke Weise das Chaos des spätmodernen Alltags, das Durcheinander der Formen und Stile, des Zufallsdesign und die faktische Gestaltungskraft des nur Nützlichen. Spannung gewinnen seine Formaggregate aus seinem künstlerischen Geschick, widerstreitende Elemente zusammenzufügen, die ein einprägsames Bild, aber keine friedliche Synthese ergeben. Weids bildhauerischer Humor und seine genau hinschauende Liebe zur Welt drücken sich darin aus, wie wenig er die disparaten Formenzufälle des Alltags in seinen Gestaltungen unterdrückt. Vasen, aus (Spielzeug-)Autos zusammengesetzt, automobile Silhouetten zu Sesseln oder Pavillons umgedeutet, Hybridmodelle aus menschlichen Gestalten und Autos, Backsteinmauern als Tapete (mit Verkehrsschildmuster), grobe „Urhütten“ aus High-Tech-Edelstahl – immer kann aus dem einen das andere werden. Diese Arbeiten sind Gedankenbewegungen, Gestalt gewordene Assoziation – lebendiges Bewusstsein keramisch abgeformt oder sorgfältig furniert.
Was der Künstler zeigt, ist sicher nicht angewandte Kunst, eher angewandte Philosophie, im Sinne Edmund Husserls. Material sei nichts Festes oder Statisches, lehrte der große Phänomenologe. Zu seinem Verständnis von Material gehörten auch Bewegtheit, Wandelbarkeit, assoziative Fruchtbarkeit, Polyvalenz. Kaum sei eine Vorstellung im Bewusstsein des Menschen fassbar, forme sie sich auch schon wieder um zur nächsten. Das bedeutet auf Heinrich Weids künstlerische Vorgehensweise bezogen nichts anders, als dass Weids Einrichtungsgegenstände Denkstücke sind – aus denen man zugleich Kaffee trinken kann.
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